Arbeitsgruppe Stationäre Pflege

Teilnehmer
Die Arbeitsgruppe (AG) Stationäre Pflege hat sich nach der Auftaktveranstaltung am 21. März 2012 konstituiert und ist seitdem regelmäßig zu Sitzungen in Mittelhessen zusammengetroffen. In der Arbeitsgruppe engagieren sich primär Pflegedienstleitungen, Pflegefachkräfte und Heimleitungen stationärer Einrichtungen aus dem Raum Mittelhessen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamtes Vogelsbergkreis. Gewählte Sprecher sind Manuela Karl, Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Schönbachtal und Vorstandsmitglied des VDAB Hessen sowie Jörg Braas, Pflegedienstleiter des Altenpflegeheims Kronberg. Als Vertreter des öffentlichen Gesundheitsdienstes koordiniert und betreut Dr. Henrik Reygers, stellv. Leiter des Gesundheitsamtes Vogelsbergkreis die Aktivitäten der AG. Administrative Unterstützung und Entlastung erfahren wir durch Diana Krug, Hygieneinspektorin im Gesundheitsamt.

Zielsetzung:
Die Arbeitsgruppe hat ihre Empfehlungen nach folgenden Prämissen erarbeitet:

  1. Die Empfehlungen stehen im Einklang mit den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts (RKI), Infektionsprävention in Heimen.
  2. Die Empfehlungen sind für jede Einrichtung unter den gegebenen zeitlichen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen in der Praxis umsetzbar.
  3. Die Empfehlungen sind auch für Laien leicht verständlich und übersichtlich dargestellt und in der täglichen Arbeit einsetzbar.

Ergebnisse
Ein großes Problem bei der Umsetzung sind die bislang fehlenden Refinanzierungsmöglichkeiten des zusätzlichen Aufwands der steigenden Anforderungen. In der Vergütung der stationären Pflegeeinrichtungen finden bislang weder der deutlich erhöhte Sachaufwand noch die erhebliche zeitliche Bindung von Personalkapazitäten ausreichend Berücksichtigung. Zusätzlich belastend wirkt hier das Fortbestehen der hygienischen Anforderungen bis zum Vorliegen negativer Ergebnisse aus drei Screenings, was regelmäßig bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen kann.
Parallel wurde durch die Arbeitsgruppe ein Überleitungsbogen erstellt und evaluiert, welcher in dem Überleitungsbogen des Netzwerks Berücksichtigung finden wird. Des Weiteren haben wir uns besonders aufmerksam der Händehygiene als Schlüsselfaktor bei einer Vielzahl von hygienischen Anforderungen gewidmet.

Der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit stellt die Durchführung der Sanierung dar. Es wurde schnell deutlich, dass eine Sanierung regelmäßig mit enormem Zusatzaufwand verbunden ist. Pflegekräfte werden in erhöhtem Umfang zeitlich gebunden und hohe sachliche und administrative Aufwendungen verursacht.
Für die Sanierung haben wir hygienische Vorgaben festgeschrieben, welche im Verlauf der Zusam-menarbeit mit der AG niedergelassene Medizin abgestimmt wurden. Diese Vorgaben gehen weit über die standardisierten Hygieneregeln bei MRSA hinaus und nehmen verstärkt Einfluss auf die individuellen Lebensumstände der Betroffenen. Bei Pflegebedürftigen mit Demenz oder sonstigen kognitiven Einschränkungen ist dies von besonderer Bedeutung, da Pflege und Betreuung in nennenswertem Umfang erschwert werden.

Ein weiteres Problemfeld ergibt sich für Einrichtungen, deren Bewohner in Zwei- oder Mehrbettzimmern leben. Durch Hygienevorgaben geradezu erzwungenes Umzugsgeschehen inner- und/oder außerhalb der Einrichtungen ist für die Betroffenen und deren Angehörige schwer nachvollziehbar und stößt auf erhebliche Akzeptanz- und Verständnisprobleme.

Breiten Raum für die Diskussion im Plenum nahm das Themenfeld Vergütung für die Versorgung von Bewohnern mit MRSA Kolonisierung ein. Allen Mitgliedern der AG ist bewusst, dass die bislang fehlende oder völlig unzureichende Kostenübernahme durch die Pflege-/Krankenversicherung sowie der entstehende zusätzliche administrative und personelle Aufwand ein erhebliches Hindernis bei der konsequenten Umsetzung der Empfehlungen darstellen kann. Bei Umsetzung werden bereits knappe zeitliche und personelle Ressourcen zusätzlich belastet. Die derzeit geltenden Kriterien der Pflegeeinstufung berücksichtigen bislang in keinster Weise die zusätzliche Belastung zeitlicher und personeller Ressourcen in den Einrichtungen. Diese systemimmanente Problemstellung ist leider ein weiterer Baustein zur fehlenden Refinanzierung des anfallenden Zusatzaufwandes.

Die AG ist nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema davon überzeugt, praxisgerechte und realisierbare Empfehlungen formuliert zu haben. Diese sollten Einrichtungsleitungen und Pflegekräften fachlich fundierte Handlungsempfehlungen an die Hand geben und im Alltag für Handlungssicherheit sorgen.

Zwischenzeitlich wurden die Hygiene-Empfehlungen überarbeitet. Es wird erwartet, dass diese zum Jahresende 2016 veröffentlicht werden können.